More Yin, please! Warum es höchste Zeit ist, das YIN in unserer Welt zu verankern!

Heute schon einen echten Yin-Moment erlebt? Gute Frage. Kommt schließlich ganz darauf an, was damit gemeint ist.

Zum Beispiel folgendes: Sich zurücklehnen und durchatmen statt sich von Leistung und To-Do-Listen antreiben zu lassen. Zuhören statt in Gedanken schon beim nächsten Termin zu sein. Mit offener Wahrnehmung spazieren gehen statt sich im Gym auszupowern. Im Alltag sind wir laufend gefordert, Achtsamkeit und Ruhe in unser schnelles Leben zu bringen. Anders ausgedrückt: Es gilt, Yin und Yang in Balance zu halten!

 

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Wo Yang ist, ist auch Yin

Mit dem Yin/Yang-Prinzip aus dem Daoismus lassen sich alle natürlichen Phänomene beschreiben: Tag und Nacht, Bewegung und Stille, das Weibliche und das Männliche. Sind beide Qualitäten ausgeglichen, ist unsere Lebensenergie, das Qi, im Fluss. Das schwarz-weiße Yin/Yang-Symbol veranschaulicht das Ineinanderfließen beider Energien. Das eine kann nicht ohne das andere existieren.

Ehrgeiz, Leistung und Erfolg – wir leben in einer Yang-betonten Zeit, die kaum weitere Beschleunigung zulässt. Längst am Zenit angekommen, wird es daher immer wichtiger, sich den sanften, nach innen gekehrten Yin-Energien zuzuwenden. Der amerikanische Kulturphilosoph Charles Eisenstein spricht von einer gerade stattfindenden „Übergangsphase zwischen den Welten“, die mit der kollektiven Besinnung auf Yin-Qualitäten wie Herzlichkeit, Mitgefühl und achtsames Handeln einen positiven Wandel einläutet. „Wir sind müde geworden“, sagt auch René Hug, der sich in seinem Züricher Studio Suburb Yoga Yin-orientierten Yogastilen, Atem-, Klang- und Meditationstechniken widmet. „Wir interessieren uns weniger für Nachrichten, Politik und Geld. Wir hören wieder mehr auf unser Bauchgefühl. Es sind nicht teure Wellness-Spas oder Fitnessstudios, die boomen. Es sind Meditationsoasen, in denen sich die Leute verstanden fühlen, Emotionen zeigen und ihre weibliche Intuition, das Yin, wieder in ihrem Leben verankern.“

Das Yin-Prinzip in einer turbulenten Welt

Zukunftsforscher erklären die Achtsamkeit zum neuen Megatrend. Spiritualität wird zur gefragten Tugend, die sich ihren Weg in den Mainstream bahnt. Neuerdings trifft man sich zur Meditation statt zum After-Work-Drink. The Shine, MNDFL und Unplug Meditation heißen die angesagten Mekkas in New York und Los Angeles, in der sich sinnsuchende Großstädter ihre Dosis Yin verabreichen. „So wie in der Natur automatische Kurskorrekturen passieren, um Extreme wieder in die Mitte zu führen, ist dieser Prozess nun auch in der Psyche der Menschen und im gesellschaftlichen Kontext wahrnehmbar“, weiß Chiaradinā Cerweny. Die in Baden bei Wien lebende Schülerin des amerikanischen Yin Yoga-Begründers Paul Grilley ist sich sicher, dass die Rückanbindung an das Wesentliche den Fokus auf die reine Performance ablösen wird.

Würden uns bloß nicht so viele Möglichkeiten einfallen, die uns vom Wesentlichen ablenken. Denn genau diese Atempause, die wir so sehr herbeisehnen, fürchten wir auch. Sie bedeutet nämlich eine schonungslose Schau nach innen, die zur unbequemen Aufgabe werden kann. Stefanie Arend, Autorin mehrerer Yin Yoga-Bücher und DVDs, rät, sich im ersten Schritt das Multitasking abzugewöhnen: „Besonders Frauen sind stolz, wenn sie verschiedene Dinge gleichzeitig tun können und merken gar nicht wie energieraubend und Yang-lastig das sein kann“. Will man das Yin stärken, braucht es Mut, Stille auszuhalten und sich den tief verborgenen Empfindungen und Emotionen zuzuwenden. „Beim Yin Yoga dehnen wir unser Bewusstsein aus, wir erforschen unsere Grenzen und trainieren die Rolle des Beobachters“, erklärt die Münchner Yin Yoga-Lehrerin Tanja Seehofer den Prozess bei diesem passiven Yogastil, der in vielen Studios mittlerweile zu den gefragtesten zählt.

In einer modernen, rasanten Welt ist unser Bedarf groß, der Yin-Qualität mehr Raum zu geben, in die Tiefe zu gehen und Erdung zu finden. Die Yogalehrerin und Ayurvedapraktikerin Juli Jyoti Lietz sieht den Bezug zur Natur und zum eigenen Körper als Schlüssel dazu. Ihre Worte lassen erahnen, wie herrlich sich ein Yin-Moment anfühlen kann: „Mein Herz darf weich werden und fühlen. Mein Körper darf sich ausruhen und regenerieren. Mein Geist erlebt köstlich heilsame Stille.“

Ein großes Danke geht an meine inspirierenden Yin-Experten, die ich im Zuge meiner Recherche für diesen YIN-Artikel im emotion SLOW-Magazin interviewen durfte: Tanja SeehoferChiaradinā CerwenyRené HugJuli Jyoti Lietz und Stefanie Arend

Join the movement >> #moreyinplease auf Instagram!

Auf Instagram habe ich den Hashtag #moreyinplease ins Leben gerufen! Sei dabei & versehe deine ganz persönlichen YIN-Momente auf Instagram mit diesem Tag! Nein, gemeint sind nicht beeindruckende Handstand-Fotos, auch nicht unbedingt “gestellte” Meditations-Posen. Es sind die kleinen Dinge, die meist ganz unspektakulär im Verborgenen stattfinden. Die Momente der Stille, der Ruhe der Erdnung. Es sind die wertvollen Früchte, die wir oft erst viel später aus unseren YIN-Momenten ernten.  Ich freue mich über eine immer größer werdende Pinnwand, die zeigt, dass das YIN stark ist, verbindet, wächst und gedeiht! Für mehr Harmonie & Balance auf dieser Welt! 


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