YIN Yoga Blogreihe #4: Stefanie Arend

Im 4. Teil meiner Blogreihe hat Stefanie Arend das Wort. Seit vielen Jahren beschäftigt sich die Autorin zahlreicher DVDs und Bücher mit vielen Aspekten des Yin-Yoga.

Wer sich mit YIN-Yoga beschäftigt, kommt an den Büchern und DVDs von Stefanie Arend nicht vorbei. Sie zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten im deutschsprachigen Raum, die mit dazu beigetragen haben, den ruhigen und passiven Yin-Yoga-Stil ins Blickfeld vieler Yogapraktizierende zu rücken. Nach Jahren des Ausprobierens vieler Yoga-Stile hat Stefanie bei einem Yin Yoga Teacher Training mit Paul und Suzee Grilley das gefunden, was sie lange gesucht hatte: ein Gefühl des inneren Friedens und des Ankommens. Ihr Unterricht vermittelt nicht nur Theorie, sondern ist stark von persönlichen Erfahrungen und alltäglichen Begegnungen geprägt. Als Yogalehrerin und Ernährungsberaterin  vertritt Stefanie einen ganzheitlichen Ansatz und führt verschiedene Methoden zu dem zusammen. Ihr erstes Buch “Yin Yoga – der sanfte Weg zur inneren Mitte” erschien bereits 2011. Stefanies dritte Yin Yoga DVD beinhaltet eine Gesamt-Sequenz über 137 Minuten sowie einzelne Yin Yoga-Sequenzen zu den Meridian-Paaren. Im Oktober erscheint ihr neuestes Buch “Gesund durch Yin-Yoga” im Südwest-Verlag, das auf alltägliche Beschwerden und seelische Belastungen Bezug nimmt.

Ich habe Stefanie Arend einige Fragen gestellt und sehr interessante Antworten sowie nützliche Tipps für den Alltag erhalten.

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Mehr YIN im Alltag!

Gedanken, Erfahrungen & Tipps von Stefanie Arend

Was macht YIN Yoga für dich aus? Wie und wo beobachtest und erlebst du das YIN im Alltag?

Yin im Yoga bedeutet für mich, passiv und empfangend zu sein, sanft zu praktizieren, so gut ich gerade kann loszulassen auf allen Ebenen. Das muss sich jedoch nicht nur auf die reine Yin Yoga-Praxis beziehen, auch in der Yang-Praxis finden sich Yin-Anteile, genauso wie in der Yin-Praxis Yang-Anteile spürbar sind. Wenn ich im Yang in einer Krieger-Position bin, dann geht es in meinen Augen nicht nur darum, ausschließlich Muskelaktivität und Kraft zu entwickeln, sondern in dieser kraftvollen Haltung auch die weichen Anteile zu entdecken. Wenn meine Beine mich wie ein Fundament halten, dann kann ich zum Beispiel in den Schultern, im Gesicht und im Kiefer los lassen. Ich kann versuchen, meine verkrampften Gedanken anzunehmen und mir keine Vorwürfe zu machen, dass ich vielleicht gerade abgeschweife statt fokussiert in der Position zu bleiben. Wenn ich im Yin hingegen in der Sphinx oder im Sprinter bin und mich passiv hineinsinken lasse, werde ich schnell merken, dass eine gewisse Muskelaktivität vorhanden und auch nötig ist, um die Haltung möglich zu machen. Das Yin & Yang-Symbol macht es ja sehr deutlich verständlich, dass in jedem Yin ein Yang und in jedem Yang auch ein Yin enthalten ist. Wir brauchen diesen Ausgleich überall im Leben, auch im Alltag.

Hierzu ein schönes Beispiel darüber, was ich selbst erlebt habe: Wir waren zum Jahreswechsel in New York, eine der wohl turbulentesten Städte der Welt, und dass, obwohl ich doch so gerne dir ruhige Zeit der Rauhnächte zelebriere. In den Menschenmengen, dem bunten Treiben und dem sehr hohen Lärmpegel der Stadt habe ich schnell gemerkt, wie ich energetisch völlig überfordert wurde. Also habe ich mich immer wieder mit der stillen Quelle in meinem Inneren verbunden, habe mich auf meinen Atem fokussiert und mich selber somit wieder gefestigt. Bei den New Yorkern schien es gar nicht anders zu sein. Sie laufen in einem irren Tempo durch die Straßen und alles wirkt ganz hektisch und aufgeregt. Wenn sie dann aber einmal in der Metro sitzen, dann werden auch sie ganz still, schließen gerne mal die Augen und wirken fast so, als ob sie meditieren würden.

Sind für dich gesellschaftliche Veränderungen spürbar?

Ich merke, dass das Bedürfnis nach Yin, nach Ruhe und Sanftheit bei den Menschen immer größer wird. Diese erste Erkenntnis ist bei vielen schon lange da, aber manche haben noch Probleme damit, es auch umzusetzen. Sie greifen dann zum Telefon oder schreiben eine Mail und machen den ersten Schritt, indem sie sagen, dass sie einen Yogakurs machen möchten, um endlich wieder “runterzukommen“. Die Nachfrage in meinen Yin-Kursen war in der Vergangenheit sehr viel größer als in meinen Yang-Kursen.

Hast du Tipps, wie sich das YIN im Alltag stärken lässt?

Es muss nicht immer Meditation oder eine ausgedehnte Yin-Praxis sein, um das Yin zu stärken. Ich habe mir vor einigen Jahren das Multi-Tasking abgewöhnt. Besonders Frauen sind stolz darauf, wenn sie verschiedene Dinge gleichzeitig tun können und merken dabei gar nicht, wie energieraubend und yang-lastig das sein kann. Der Geist weiß nicht, worauf er sich fokussieren soll, er verschwendet unnötige Energie. Viele Menschen lassen sich inzwischen auch durch ihr Handy bestimmen, das produziert extrem viel Yang. Ich bin zwar kein großer Freund von Handies, aber ich sehe es ein, dass sie inzwischen zu unserem Alltag dazu gehören. Von daher finde ich einen achtsamen Umgang damit sehr wichtig. Es sollte klar sein, dass das Handy in der Tasche bleibt, wenn ich gerade jemandem meine Aufmerksamkeit widme und ich muss es auch nicht bei jeder Gelegenheit wieder in die Hand nehmen. Stattdessen kann ich auch einfach mal einen Moment Stille genießen oder meinen Atem wahrnehmen. Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, dann tut es beiden Seiten gut, sich in die Augen zu schauen und dem Gegenüber wirklich zuzuhören statt im Geiste schon den nächsten Satz vorzubereiten. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, kann das Radio oder die Musik bewusst mal ausgeschaltet bleiben. Auch selber zu kochen oder zu backen statt auf Fastfood zurückzugreifen erdet wunderbar. All das sind kleine Schritte, die das Yin in uns nähren.

Was können Menschen tun, um in einem YANG-betonten Leben wieder Balance herzustellen?

Zuerst einmal finde ich es wichtig, es sich überhaupt bewusst zu machen, dass man Yang-betont ist, denn oft sucht man ja noch mehr von dem, was man ohnehin schon hat. Manchmal hatte ich Teilnehmer in meinen Yang-Kursen, die sowieso schon völlig unter Strom standen und hier nochmal alles geben wollten. Dann habe ich ihnen empfohlen, versuchshalber einmal in den Yin-Kurs zu gehen. Nach teilweise anfänglicher Ablehnung haben dann aber wirklich alle gemerkt, dass sie damit ihren Gegenpol nähren und gestärkt aus der Stunde herausgehen konnten. Grundlegend sollte also die Selbstreflexion sein, um herauszufinden, was mich denn eigentlich aus der Balance gebracht hat und anschließend dem inneren Impuls zu folgen, um hier wieder für Ausgleich zu sorgen. Das muss gar nicht unbedingt eine Yoga-Praxis sein, das kann auch ein regelmäßiger Spaziergang in der Natur sein, bewusst erlebte Familienzeit, Rückzug von den digitalen Medien, genussvolles Essen oder wohltuenden Gespräche im Kreise von lieben Menschen, das Lesen eines Buches oder ein schönes Bad am Abend.

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Mehr über Stefanie Arend >> Website & Facebook


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