YOGA-Inspiration: Weniger TUN, mehr SEIN.

Yogarituale

Es ist November und damit Zeit für Rückzug und Reflexion. Das YIN darf nun schon alleine aufgrund der Jahreszeit ein bisschen mehr in den Vordergrund treten. Und doch fällt es mir ganz und gar nicht leicht, Ruhe einkehren zu lassen und alles etwas langsamer anzugehen. Ich bilde es mir vielleicht ein, dass ich Ruhe schaffe, weil ich die schönen Duftkerzen anzünde und mich die neuen Intentionskärtchen, die ich gerade erstanden habe, mit neuen Lebensweisheiten füttern. Aber um ehrlich zu sein: Ich gebe niemals wirklich Ruhe! Ich schaffe es ja nicht mal, meinem Frühstücksei 4 Minuten beim Kochen zuzusehen, ohne gleichzeitig etwas anderes anzufangen.

Es ist gar nicht so einfach, einen Schritt vom geschäftigen Tun zurückzutreten, Distanz zum eigenen Selbst zu finden und einfach nur einen Moment lang innezuhalten. Vielleicht sogar ganz einfach NICHTS zu tun? Erdige Kapha-Typen haben es zu dieser Jahreszeit vermutlich leichter. Sie nützen das ungemütliche November-Wetter für genussvolle Sofa- & Netflix-Sessions. Ich hingegen weiß gar nicht so genau, was Netflix ist und mein Sofa kennt mich kaum. In mir tobt das feurige Pitta und mir ist selbst im November nicht nach Kuschelsocken, stattdessen hänge ich in Gedanken meinem letzten Tag am Meer hinterher.

Da fällt mir ein, ich wollte doch noch das Mandala-Foto am Beach raussuchen, das wir bei unserem Yoga mit Freunden-Retreat im Oktober kreiert haben! Und wenn ich doch schon dabei bin, könnte ich auch gleich die Yoga-Termine fürs kommende Jahr hier auf dieser Seite auf den aktuellen Stand bringen. Ja, es gibt immer etwas zu tun! Klar, es hätte noch warten können, doch was erledigt ist, ist schließlich erledigt!

Der Verstand spricht immer etwas lauter als das Herz oder der Bauch.

Dabei wäre es eigentlich kinderleicht, die Regeln einfach mal umzudrehen und dem Herz oder dem Bauchgefühl Vorrang zu geben. Warum jede freie Minute mit etwas zu füllen, das getan werden muss? Warum die Zeit nicht lieber mal mit voller Leidenschaft verschwenden? Wir würden einiges dazu gewinnen, oder?

Es heißt: Wenn du Zeit hast, meditiere eine halbe Stunde täglich. Wenn du keine Zeit hast, dann meditiere zwei Stunden. 

Besser könnte man es nicht ausdrücken. Und so übe ich mich weiter darin, Raum zu schaffen – irgendwo zwischen dem Konstrukt, das sich Zeit nennt. Das Vergnügen ebenso wichtig zu nehmen wie die Pflicht. Die schönen Dinge des Lebens mit auf die To-Do-Liste schreiben!

Einfach eine Pause machen! Eine wirkliche Pause! Eine Zeitspanne, in der nichts, wirklich nichts passiert!

Es ist egal, wie lange oder kurz sie ist. Diese Pause in Minuten auszudrücken wäre schon wieder ein Versuch des Verstands, die Regie zu übernehmen. Die Pause dient auch nicht dazu “endlich mal wieder Yoga zu machen”. Auch ist diese wertvolle Pause – Pema Chödron hat ein ganzes Buch darüber geschrieben – nicht dazu da, zwanghaft ein Zeitfenster zu öffnen, um die tägliche Meditation hinein zu quetschen. Das Leben ist doch ohnehin nur ein Spiel, wenn wir Allan Watts’ These glauben wollen.

Es ist schon fast unglaublich, mit wie vielen “Challenges” wir uns in unserem denkbar wenig verspielten Leben herumschlagen müssen. Nicht nur die Challenge, den ganz profanen Alltag zu bewältigen, sondern dazu auch noch eine Fitness-, Yoga-, Meditations- oder Ernährungs-Challenge, die uns in 3, 7 oder 21 Tagen ein besseres Leben verspricht.

Es scheint gerade in der Welt der Yogis, Spiritual Junkies & Ernährungsfreaks nur noch ein MÜSSEN und ein TUN zu geben. Und auch wenn wir nur das pure Interesse am SEIN verfolgen, dann MÜSSEN wir vorher diesen unumgängliche Weisheit auf Instagram auf uns wirken lassen, das schlaue Buch mit neuen Erkenntnissen kaufen, uns mit fairer Naturkosmetik pflegen, Weizengras mit viel Liebe auf der Fensterbank selbst großziehen und eine weitere Yogaleggings aus recycelten Plastikflaschen besitzen. Und wir SOLLTEN natürlich ganz dringend diesen einen Newsletter abonnieren, der uns aber nur noch weiter in das Chaos hineinzieht, das uns zu Opfern der Selbstoptimierung macht.

Ich würde vorschlagen: Wir vergessen das Ganze einfach mal. Einfach ins NICHTS abtauchen und sehen, was passiert. Diesem permanenten Geplapper unserer inneren Ego-Stimme einfach mal nicht zuhören. Einfach FÜHLEN, was es da zu fühlen gibt. Einfach zu SEIN und sonst nichts. Ich werde mir jedenfalls Mühe geben und weiß schon jetzt: Das wird eine echte ‘Challenge’ werden…. 😉


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