YOGA & BÜCHER: Buchrezension “Yoga und Burnout” – Tanja Seehofer

Yoga und Burnout. Zwei Themen, die in unserer modernen Welt zunehmend Präsenz haben. Während Tanja Seehofer in ihrem Buch beides auf einen lesenswerten Nenner bringt, erlebe ich ein kleines Déjà-vu.

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Ich blättere im neuen Buch der Münchner Yogalehrerin Tanja Seehofer und fühle mich mehr als angesprochen. Es geht um die modernen Themen Stress und Burnout und was man mit Yoga dagegen tun. Auf den ersten Seiten lese ich über die Ursachen für ein Burnout – über den übertriebenen Perfektionismus, die Ignoranz gegenüber den eigenen Befindlichkeiten und das fehlende Talent auch mal “Nein” zu sagen. Oh ja, wie ich das kenne! Zumindest aus meiner Vergangenheit. Ganz abgeschüttelt habe ich es wohl immer noch nicht. Aber zumindest kann ich aufgrund meines eigenen Yogaweges heute sagen: Achtsamkeit und Yoga sind wunderbare Mittel, um Yin & Yang in Balance zu halten! Denn vor der Lösung vermeintlicher Probleme steht zuallerest die Bestandsaufnahme – die Wahrnehmung der äußeren Umstände sowie der eigenen Gefühle und das Annehmen der Dinge, wie sie eben gerade sind.

Stress & Burnout – meine altbekannten Kumpels

Tanja Seehofer beschreibt die vier Phasen eines Burnouts: die Alarmphase, die Widerstandsphase, die Erschöpfungsphase und die Rückzugsphase. Mit 24 Jahren hatte ich mich selbst in einen Bereich zwischen Erschöpfung und Rückzug befördert. Als ich mit Fleiss, Disziplin und mehr Durchhaltevermögen als mir gut tat, meine vermeintliche PR-Karriere in einer großen Agentur ansteuerte, war das Wort Burnout noch nicht geboren. Und auch, wenn bis heute diskutiert wird, ob ein Burnout tatsächlich existiert, hätte mir diese Begriffsdefintion geholfen, um mich irgendwo einzuordnen. Stattdessen feilte ich nur allzu oft bis drei Uhr nachts an den Krisen-Konzepten für große Firmen und saß ungeachtet meiner eigenen “Krise” am nächsten Morgen um 9.00 Uhr schon wieder im Büro. Mein Chef war stolz auf eine Mitarbeiterin wie mich und beförderte mich in ein chices Bürozimmer gleich neben seinem eigenen. Mehr Fluch als Segen, wie sich später herausstellte. Mein Leid vergaß ich jedes Mal für kurze Zeit, wenn auf meinem Konto ein fetter Bonus als Belohnung eintraf. Ich war auf dem richtigen Weg. Dachte ich zumindest. Nach zwei Jahren kam der Zusammenbruch. Ich war es leid, mich für Meetings in brütender Sommerhitze in enge Kostüme und geschlossene Schuhe zu zwängen, mir keine Zeit für eine Mittagspause zu nehmen und abends nur ja nicht als erste das Büro zu verlassen, weil es nicht zum guten Ton gehörte. In der U-Bahn blätterte ich gedankenverloren in Frauenzeitschriften und beneidete die Models, die auf Bootsstegen saßen und ihre nackten Füße über dem Wasser baumeln ließen. Ich schämte mich ein bisschen für meine Entscheidung zu kündigen und zu meinem Freund aufs Land zu ziehen. Es fühlte sich nach Versagen an. Ich fühlte mich kraftlos, deprimiert und war nicht mal in der Lage, einen attraktiven Verlags-Job, der mir auf dem Silbertablett angeboten wurde, anzunehmen. Ich fühlte mich schlecht und ausgelaugt. Von Kopf bis Fuß. Innen und außen. Wenn ich heute daran zurückdenke, weiß ich, dass genau das ein Burnout war. Vor mehr als 15 Jahren noch kein Thema, noch nicht mal ein Tabuthema in Businesskreisen. Nach meiner Kündigung kochte ich, malte Bilder und übersäte meine Terrasse mit Kräutertöpfen. Wir schafften uns einen Hund an und ich begann das Buch “Yoga für Menschen von heute”, der Klassiker von André Van Lysebeth, zu lesen. Ich erholte mich langsam. Ein wertvoller Knick in meinem Leben.

Nicht bis zum Burnout warten, um mit der Seele in Kontakt zu treten

Deshalb ist Tanja Seehofers Buch ein wahrer Segen für all jene, die ihre persönliche Grenze nicht wie ich schon vor vielen Jahren überschritten haben, sondern das vielleicht gerade tun. Das Burnout muss man nicht erst abwarten, um sich angesprochen zu fühlen. Schon wenn man das leise Gefühl hat, man wäre manchmal etwas zu perfektionistisch, ist das Buch die perfekte Wahl. Auch dann, wenn sich unüberwindbare Situationen im Job oder im Alltag so aufbäumen, dass man keine Lösung mehr erkennt, sich stattdessen nur hilflos, kraftlos und erschöpft fühlt. “Ein Burnout ist ein schleichender und langwieriger Prozess”, schreibt Tanja Seehofer in ihrem Buch. Desto eher man also mit der ehrlichen Bestandsaufnahme anfängt, umso besser.

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Das Buch “Yoga gegen Burnout” hilft mit seiner klaren Struktur, sich darin zurechtzufinden. Zu Beginn erläutert Tanja Seehofer die Ursachen und den Verlauf eines Burnouts. Im Mittelteil wird erklärt, welche Auswege es gibt, wie man das eigene Denken verändern kann und was Yoga bewirken kann. Der Praxisteil enthält ausführlich beschriebene, restorative Yin-Yoga Übungen. Tanja Seehofer beschreibt an Hand von Fotos, was bei den einzelnen Haltungen zu beachten ist und auf welche Weise sie wirken. Wie ein guter Wein, der zum Essen passt, wird erklärt, welche Rolle die Atmung bei der jeweiligen Pose spielt und wie sie am besten eingesetzt wird. Besonders ansprechend finde ich die Affirmationen, die man zu jeder Haltung üben kann. Viele schöne Yogazitate wird man ebenfalls in dem Buch finden. Mein liebstes Zitat aus dem Buch lautet:

Lass alles los! Lass auch das Loslassen los! (Nagaya)

Der Praxisteil gliedert sich in die Bereiche Liebe, Gesundheit, Beruf, Finanzen und Selbsterkenntnis. Das macht Tanja Seehofers Buch besonders alltagsnah und man kann sich nach den eigenen Bedürfnissen das passende Kapitel heraussuchen. Schon aufgrund seines kompakten Formates ist Tanjas neues Werk mehr als nur ein Buch. Es hat das Zeug, ein Begleiter in vielen Lebenslagen zu sein. Ein weiteres Highlight ist die beigelegte CD mit vier angeleiteten Meditation zu den genannten Bereichen. Und dazu kann ich nur sagen: Tanjas Stimme lauscht man wirklich gerne. Nicht nur in ihren einfühlsamen Yogastunden, sondern auch auf CD, die sich überall mitnehmen lässt.

Mein Fazit: Es gibt wohl niemanden, der in der westlichen Welt eingebunden ist und nicht von diesem Buch profitieren würde. Es muss nicht erst zum Burnout kommen. Tanja Seehofers Buch ist ein kompakter Begleiter für alle, die bereit sind, ihren eigenen Wesenskern zu entdecken. Eine fundierte Anleitung, um wieder besser in den Kontakt mit den eigenen Bedürfnissen zu kommen und die Ressourcen des eigenen Körpers zu nützen. Tanja Seehofers Buch hat seinen fixen Platz in meinem Yogabuchregal mehr als verdient! 

Mehr über Tanja Seehofer und ihre Bücher findest du auf ihrer Website!

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