YOGA & BOOKS: “Faszientraining mit Yin-Yoga” – Dirk Bennewitz und Andrea Kubasch

Das Yogabuch von Dirk Bennewitz und Andrea Kubasch packt alle aktuell angesagten Yogathemen auf 150 bebilderte Buchseiten. Es geht um Yin und Faszien, um Stress und Cellulite.

Buch Fazientraining mit Yin-Yoga

Paul Grilley ist ein netter Kerl. Der “wichtigste Vertreter des modernen Yin-Yoga”, wie er im Buch “Faszientraining mit Yin-Yoga” genannt wird, wird nicht müde, Vorworte für Yin-Yoga-Bücher zu schreiben. Das hat er schon für Sarah Powers getan, für Stefanie Arend und nun auch für Dirk Bennewitz und Andrea Kubasch. Er selbst begnügte sich, 2002 ein dünnes grünes Büchlein mit dem schlichten Titel “Yin Yoga. Outline of a quiet practice” unter das interessierte Yoga-Volk zu werfen. Sein Vorwort schreibt er selbst. Es beginnt mit “I would like to thank my beautiful wife Suzee for posing”.

Seit meinem Yin-Yoga-Training mit Paul Grilley bei Triyoga in London weiß ich: Suzee ist mehr als ein hübsches Catsuit-Yogamodel. Die beiden sind ein allürenfreies Dreamteam, mit unglaublichem Yoga- und Anatomie-Wissen, viel Einfühlungsvermögen und Humor. Ich selbst kam bei meinem Teachertraining auf Bali zum Yin Yoga: Mein Lehrer Steve Ross zeigte uns neben dynamischen Hip-Hop-Vinyasa-Klassen, was Yin Yoga alles kann. Nicht ohne Grund: Er und Paul Grilley sind gute Freunde.

Yin ist für mich seit mehreren Jahren eine unverzichtbare Ergänzung zur Yang-Praxis. Im Yoga Place Salzburg unterrichte ich wöchentlich eine Yin-Yang-Stunde. Und auch in meine Detox-Flow-Stunde schleicht sich das ein oder andere Yin-Element. Ich war bei Paul Grilley in London, bei Josh Summers und Tanja Seehofer in München. Auf meinem Bücherregal steht so ziemlich alles, was die Yin-Literatur hergibt. Das kürzlich erschienene Buch “Faszientraining mit Yin-Yoga” kam vor wenigen Tagen dazu.

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Paul Grilley spricht am liebsten von “Tension”, “Compression” und von “Target Zones”. Das tun Andrea und Dirk auch. Doch während sich Paul stets auf wenige unspektakuläre Yin-Positionen beschränkt, liest man in diesem Buch von Promi Shopping Queens, Pandabären und Schwarzen Rittern. Man hantiert mit der Blackroll und nennt die Haltungen werbewirksam “Brazilian Butt Roll” und “Thigh Gap Roll”. Das kann man mögen oder auch nicht. Ich bin ehrlich: Ich mag’s nicht.

Irritierend ist für mich auch die Ansprache im Buch: Das “Ihr” und “Euch” gibt mir das Gefühl, ein Schulbuch in der Hand zu halten, aus dem ich vor versammelter Klasse laut vorlesen soll. Eigentlich wäre mir mit einem schlichten “Du” besser geholfen, wenn ich mich abends auf dem Sofa alleine von Seite zu Seite blättere. Zudem wird man den Eindruck “WIR sind so schlau, aber IHR armen Schweine habt leider keine Ahnung was läuft” nicht so richtig los. Tatsächlich scheint das Buch nicht für jene geschrieben, die ungefähr wissen, was es mit Yoga im Allgemeinen und dem Yin und dem Yang im Speziellen so auf sich hat. Angesprochen sind vor allem jene, die rauchend und stressgeplagt an ihren Handys hängen und seit Jahr und Tag mit nutzlosen Cremes ihre Cellulite bekämpfen.

Und natürlich kommt das Buch auch nicht ohne das Schlagwort Faszien aus. Von Faszien spricht man eben. Worüber man leider nur wenig spricht: über die Meridiane. Nun gut, vielleicht zu kompliziert und man muss ja nicht alles so machen wie Paul, der sich gerne mal anhand einer Skizze eines Oberschenkelquerschnitts an Leber, Niere und Magen verbeisst. Man muss auch nicht Sarah Powers nachahmen, die in ihrem Buch “Insight Yoga” jedem Organpaar ein eigenes Kapitel samt passenden Yin-Asanas widmet. Schön ist das allerdings schon, denn daraus ergibt sich eine gewisse Tiefe, von der auch Yogalehrer für sich und ihren Unterricht profitieren.

Fazit: Das Buch ist dem Unwissenden mit yogischem Weiterbildungsdrang im Rahmen der Komfortzone gewidmet. Eine Lektüre für all jene, die vielleicht schon mal ein Yogastudio von innen gesehen haben, die Yin Yoga schon mal probiert und im letzten Gelenke-Dossier des “Focus” schon mal über das Wort Faszien gestolpert sind. Es bestärkt die Damen,  ihren Körper charmant über die Blackroll zu rollen anstatt in Cellulite-Cremes zu investieren. Die Aufmachung des Buches samt Fotos ist funktional. Auf schöne Inszenierungen und Handschmeichler-Haptik muss man verzichten. Es geht eben schlicht um “Faszientraining mit Yin-Yoga” und nicht um den ästhetischen Anspruch, den eine Elena Brower für ihr Werk “Art of Attention” hat.

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