Yoga Studio Check: YunaYoga in Graz

Um ehrlich zu sein: Graz gehört nicht gerade zu meinen heißesten Yogadestinationen. Dennoch gab es zwei gute Gründe, um eine vierstündige Zugfahrt von Salzburg nach Graz auf mich zu nehmen: 1. David Swenson. 2. das Yuna Yogastudio.

Während ich einem Workshop mit der Ashtanga-Koryphäe aus Texas in diesem Jahr schon zum zweiten Mal beiwohnen durfte (das erste Mal im Münchner Jivamukti Studio), war es mein erster Besuch im Yuna Yogastudio. Als helles Licht am Ende der in Novembertristesse getauchten Körösistraße war das Studio am ersten Workshopabend unerwartet leicht zu finden. Hätte ich mir nicht schon auf der Homepage einen ersten Eindruck verschafft, wäre ich bestimmt überrascht gewesen, auf ein derart “edgy” Yogastudio zu treffen und das ausgerechnet in Graz. Das rote Yuna-Logo trifft auf Sichtbeton, auf dem Boden liegen indische Sitzkissen, dazwischen jede Menge Happinez-Magazine. Erleichtert stellt man fest, dass dies wohl eines der raren Yogastudios ist, die Räucherstäbchenduft für überflüssig halten. So lässt man sich fernab jeglicher Duftwolken von einer immerzu lachenden Studioleiterin in Empfang nehmen. Nachdem der Name gecheckt wurde, wird man liebevoll in die verborgenen Ecken des Studios eingewiesen: Toilette hier, Umkleide da, Decken und Blöcke dort.

(c) Yuna Yoga

Foto: Yuna Yoga / Ashtanga Workshop mit David Swenson

Der stilvolle, klare und reduzierte Look zieht sich wie ein Roter Faden durch das gesamte Studio, das 2010 von Susanne Lietz und Thomas Rubinigg eröffnet wurde. Selbst die Ventilatoren, die nach den Einheiten zur Erfrischung auf der Decke ihre Runden ziehen, haben Stil. Einzig und allein in der (Damen-)Garderobe – ein quadratisch angeordneter Raum, der ringsum mit Bänken und Kleiderhaken versehen ist – könnte man Sitzbänke und Ablegefläche in der Mitte des Raumes vermissen. Nicht auszuschließen, dass der puristische Zen-Stil nach dieser nicht immer praktischen Anordnung, gerade bei einem ausverkauften Workshop wie dem mit David Swenson, verlangt. Nur eine Dusche, auch das vielleicht nicht immer ausreichend. Wohlwollend bemerkt man, dass über den Waschbecken, davon gibt’s immerhin mehrere, kein Spiegel hängt. Fehlt nur noch der an die Fliesen gepinnte Spruch “no worries, you look good”. Der einzige Spiegel in der Garderobe trägt dazu bei, sich nicht auf Äußerlichkeiten zu besinnen.

Apropos Äußerlichkeiten: Die Looks des Yuna-Yogavolks hinken dem bis ins kleinste Detail zelebrierten Stil des Studios in Sachen Optik ein bisschen hinterher. Natürlich, wir wissen es, im Yoga geht es um ganz andere Dinge. Der Vollständigkeit halber erwähne ich es doch: Die im Yuna-Shop angepriesenen Gewänder, setzen sich zumindest in David Swensons Klassen kaum durch. Vielmehr wirkt es, als hätte man die Fitness- oder Laufklamotte kurzfristig zweckentfremdet. Vielleicht sticht mir dieser Gegensatz auch nur nach meinem Besuch im Triyogastudio in London so ins Auge. Graz ist eben nicht London, auch wenn das Yuna-Studio urbanes Yogaflair verströmt so gut es kann.

Was ein echter Yogi ist, dem ist es egal, in welchem Raum oder an welchem Ort er Yoga praktiziert. David Swensons Yoga-Witze kommen in der Steiermark ebenso gut an, wie überall sonst auf der Welt. Wenn er auf allen Vieren eine Katze imitiert, die stets graziös aber mit möglichst wenig Aufwand durchs Leben schreitet. Wenn er mit dem “Krieger” demonstriert, wie sehr man sich im ungünstigsten Fall in dieser Pose verkrampft. Wenn er von seinen abenteuerlichen Indien-Reisen und den Begegnungen mit Patthabi Jois erzählt. Als Host für renommierte Yogastars, darunter neben David Swenson auch Bryan Kest oder Duncan Wong, hat sich Yuna Yoga längst als einer der Platzhirsche in der Szene etabliert. Und ich habe zumindest einen guten Grund mehr gewonnen, irgendwann mal wieder in Graz vorbeizuschauen.



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