YOGA & BÜCHER: “Yoga für die Faszien” – Amiena Zylla

Noch ein Yogabuch über Faszien? Auch Yoga- und Pilatescoach Amiena Zylla widmet sich in ihrem neuen Buch diesem Trendthema – und das auf eine ziemlich spielerische und unterhaltsame Weise.

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Ich bin ja der Bücherwelle, die gerade zum Thema Yoga & Faszien auf den Markt kommen, gegenüber etwas skeptisch eingestellt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es so viele sind und man das Gefühl nicht los wird, dass es nur darum geht, auf einen zugkräftigen Trend aufzuspringen. Yoga ist mittlerweile einfach ein großes Business geworden. Als Yogi, der zwar Freude an der Sache haben will, aber es auch ernst und tiefgründig angehen will, bin ich daher etwas auf der Hut.

Umso überraschter bin ich daher über das gefühlte 99. Faszien-Buch, das in meine Hände fällt. Es stammt von der Yoga- und Pilatestrainerein Amiena Zylla aus München. Amiena kannte ich bisher nur aus ihren YouTube-Videos. Ich mag ihr “rollendes R” und vor allem die Pilates-Sequenzen, die mir neue Impulse geben, um meine Mitte zu stärken. Den Yoga-Tunnelblick habe ich mir nämlich seit einiger Zeit abgewöhnt – und meine Praxis mit Pilates-Übungen und Fitness-Workouts zu ergänzen, finde ich nicht mehr verwerflich, sondern überaus bereichernd.

Was ich an Amienas Buch mag: Verständlich vermittelt sie, was es mit den Faszien auf sich hat. Sie geht in die richtige Tiefe ohne die Leser mit zu vielen Details zu verwirren. Alles ist so erklärt, dass der Neuling damit etwas anfangen kann und auch der Kenner noch etwas dazulernen kann. Besonders gefällt mir die Beschreibung der unterschiedlichen Faszienketten – aufgeteilt in Rückenbahn, Frontbahn, seitliche Bahnen und Spiralbahnen. Diese Aufbereitung ist nicht nur anschaulich, sondern beim Üben auch spürbar und ich habe sie in dieser Form noch in keinem anderen Faszienbuch finden können. Kein Geringerer als Faszienforscher Dr. Robert Schleip liefert das Vorwort zu “Yoga für die Faszien” – das alleine ist schon ein gewisser Beweis, dass hier fundierte Arbeit geleistet wurde.

“Übungen für einen geschmeidigen Körper” heißt der Untertitel des Buches. Perfekt gewählt, denn bereits beim Durchblättern und beim Anblick der Fotos bekommt man richtig Lust, die Haltungen auszuprobieren, um die Geschmeidigkeit einer Amiena Zylla hinzubekommen. Es handelt sich nicht um schwierige Verknotungen, sondern sanfte Haltungen, an die Amiena in mehreren Bildern spielerisch und mit der eleganten Note einer Tänzerin heranführt. Und erst als ich mich weiter in das Buch vertiefe, merke ich, dass der Begriff “Yin-Yoga” wie in so vielen anderen Faszien-Yoga-Büchern hier gar keine dominante Rolle spielt. Ganz im Gegenteil, viele Übungen finden im Stehen statt und versuchen erst gar nicht, den Yang-Aspekt auszuklammern. Erst auf Seite 86 geht Amiena ausführlicher auf Yin & Yang ein und stellt Übungen vor, die sich auch in einen “Yin-Flow” umwandeln lassen. Insofern ist das handliche Büchlein auch kein typisches Yin-Yogabuch mit einer eher begrenzten Zahl an Yin-Yogaposen. Es präsentiert auch völlig neue Haltungen und Bewegungen, die sich vom klassischen Yoga auch schon mal entfernen.

Schön ist es, dass ich das Buch praktisch jedem kommentarlos in die Hand drücken könnte, um ihn für geschmeidige Yoga-Bewegungen zu inspirieren. Wie man weiß, neigt das Bindegewebe nicht nur an bestimmten Stellen (vor allem zwischen Bauchnabel und Knie) sich zu verfestigen, sondern auch im Alter, sofern man nicht entsprechend entgegenwirkt. Man muss als weder ein Yogaprofi sein, um an diesem Buch Gefallen finden zu können, noch muss man jugendlichen Alters sein. Man muss Yoga nicht mal mögen. Auch ein Nicht-Yogi oder Fitness-Freak wird sich für die vielfältigen Dehnübungen begeistern, um seinem Bewegungsapparat etwas mehr Auslauf zu gönnen bzw. Körper und Geist zu entspannen.

Noch eine Besonderheit des Buches ist es, dass die Sequenzen bestimmten Orten zugeordnet wurden. Man macht eine Kaffeepause in Venedig, sieht dem Regen in Dublin zu oder sitzt am Strand von Santa Barbara. Die Körperreise geht auch nach Plochingen und Schwerin. Nun gut, das kann man ganz nett finden, ich persönlich finde es eher überflüssig. Ich reise zwar sehr gerne, kann aber mit den gewählten Destinationen nicht unbedingt etwas anfangen, da sie in keinem Zusammenhang mit der Übungssequenz stehen. Kein echter Minuspunkt, sondern einfach Geschmackssache.

Fazit: Amiena Zylla liefert ein übersichtliches & handliches Buch mit vielen anschaulichen Bildern, das zu neuen, spielerischen Bewegungsabläufen animiert. Man sollte nicht nach spirituellen Aspekten oder den Bezug zur Meridianlehre suchen. Das Buch spricht nicht nur Yoga-Interessierte an, sondern alle, die sich auf körperlicher Ebene weiterentwickeln möchten. Es enthält vielfältige Inspirationen für ein flexibles, geschmeidiges und ausbalanciertes Körpergefühl. Die gezeigten Übungen sind für alle Levels und Altersgruppen geeignet.

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